Patienten-Compliance fördern und Therapieerfolg sichern

Die Patienten-Compliance spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg medizinischer Therapien und Behandlungen. Ein hoher Grad an Compliance ist oft entscheidend für die Wirksamkeit der Behandlung, die Vermeidung von Komplikationen und die Verbesserung des Gesundheitszustands des Patienten.  Herausforderungen bei der Gewährleistung der Patienten-Compliance sind jedoch allgegenwärtig und vielfältig. Diese können sowohl auf Seiten der Patienten…

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Die Patienten-Compliance spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg medizinischer Therapien und Behandlungen. Ein hoher Grad an Compliance ist oft entscheidend für die Wirksamkeit der Behandlung, die Vermeidung von Komplikationen und die Verbesserung des Gesundheitszustands des Patienten. 

Herausforderungen bei der Gewährleistung der Patienten-Compliance sind jedoch allgegenwärtig und vielfältig. Diese können sowohl auf Seiten der Patienten als auch des Gesundheitssystems auftreten. In diesem Artikel werden verschiedene Strategien zur Verbesserung der Patienten-Compliance untersucht, um den Therapieerfolg zu sichern und die Gesundheit der Patienten zu fördern.

Bedeutung und Einflussfaktoren der Compliance in der Medizin

Was bedeutet Compliance bei Patienten?

Der Begriff “Compliance” bezeichnet in der Medizin die Einhaltung der mit einem Patienten vereinbarten Therapie. Eine hohe Compliance zeigt an, dass der Patient die Therapieempfehlungen befolgt, während eine Non-Compliance auf eine Nichtbeachtung dieser Empfehlungen hindeutet. Oft wird auch der Begriff “Adhärenz” verwendet, der eine ähnliche Bedeutung hat.

Was versteht man unter Adhärenz?

Während der Begriff “Compliance” traditionell hauptsächlich Faktoren auf Seiten des Patienten beschreibt, die zur Einhaltung der Therapie beitragen oder diese behindern, umfasst der Begriff “Adhärenz” zusätzlich auch Faktoren auf ärztlicher Seite und auf Seiten der Therapie. Viele Ärzte verwenden daher zunehmend den Begriff “Adhärenz”, um die Vielschichtigkeit der Therapietreue besser zu erfassen.

Unterschiede zwischen Compliance in Medizin und Psychologie

Obwohl der Begriff “Compliance” sowohl in der Medizin als auch in der Psychologie verwendet wird, kann sich seine Bedeutung je nach Kontext unterscheiden. In der Medizin bezieht sich Compliance oft auf die Einhaltung von Therapieempfehlungen, während in der Psychologie auch die Bereitschaft des Patienten, an der Therapie teilzunehmen, eine Rolle spielt.

Therapiemaßnahmen, die die Compliance umfassen können

Compliance bezieht sich auf alle Therapiemaßnahmen, die zwischen Arzt und Patient vereinbart wurden. Das kann die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, das Befolgen eines Diätplans, die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder auch Veränderungen im Lebensstil umfassen.

Warum ist Compliance in der Pflege wichtig?

Studien zeigen, dass die langfristige Wirksamkeit einer Therapie bei chronischen Krankheiten oft durch eine unzureichende Therapietreue gefährdet ist. In Industrienationen liegt die Adhärenzrate bei chronischen Erkrankungen bei nur etwa 50%.

Es wird vermutet, dass ein großer Teil aller verordneten Medikamente nicht korrekt eingenommen wird. Die WHO schätzt die Compliance bzw. Adhärenz in entwickelten Ländern auf ca. 50%. Gute Compliance bzw. Adhärenz wird mit verbesserter Wirksamkeit der medizinischen Interventionen in Verbindung gebracht, während unzureichende Compliance bzw. Adhärenz mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden ist.

Non-Compliance bzw. Non-Adherence in der Arzneimitteltherapie kann nicht nur den Therapieerfolg beeinträchtigen, sondern auch erhebliche Kosten im Gesundheitssystem verursachen.

Faktoren, die die Compliance beeinflussen

Es gibt verschiedene Faktoren, die Compliance und Adhärenz beeinflussen können. Dazu gehören schlechte Erläuterungen, eine unzureichende Arzt-Patient-Beziehung und das Fehlen von Vertrauen oder Einverständnis des Patienten mit der angeordneten Therapie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat fünf Dimensionen von Adhärenz beeinflussenden Faktoren identifiziert: Indikation (z.B. Depression), Therapie (z.B. Nebenwirkungen), Patienten (z.B. Wissen, Glauben, Einstellungen und Erwartungen), Sozioökonomie (z.B. Bildungsniveau, Arbeitslosigkeit, soziale Unterstützung) und Gesundheitssystem (z.B. Arzt-Patient-Beziehung, Arbeitsüberlastung, Anreize für Leistungserbringer).

Zu den häufigsten Herausforderungen gehören:

  1. Mangelndes Verständnis: Viele Patienten verstehen möglicherweise nicht vollständig die Notwendigkeit oder den Nutzen der vorgeschlagenen Behandlung, was zu einer geringen Motivation führen kann, diese konsequent durchzuführen.
  2. Komplexe Therapiepläne: Therapiepläne können komplex sein, insbesondere wenn sie aus mehreren Medikamenten oder Behandlungen bestehen. Je komplexer der Therapieplan ist, desto schwieriger ist es für den Patienten, ihn einzuhalten.
  3. Nebenwirkungen und Unannehmlichkeiten: Nebenwirkungen von Medikamenten oder unangenehme Aspekte der Behandlung können dazu führen, dass Patienten ihre Therapie abbrechen oder nicht wie vorgeschrieben durchführen.
  4. Psychologische Faktoren: Depression, Angst oder Stress können die Bereitschaft des Patienten beeinträchtigen, die Therapie zu befolgen.
  5. Soziale und wirtschaftliche Faktoren: Faktoren wie finanzielle Einschränkungen, unzureichender Zugang zu Gesundheitsdiensten oder mangelnde soziale Unterstützung können die Compliance beeinflussen.
  6. Kommunikation und Beziehung zwischen Arzt und Patient: Eine unzureichende Kommunikation oder eine mangelnde Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient kann die Bereitschaft des Patienten beeinträchtigen, den ärztlichen Empfehlungen zu folgen.

Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der die Bedürfnisse und Umstände der Patienten berücksichtigt und darauf abzielt, die Motivation, das Verständnis und die Unterstützung für die Einhaltung der Therapie zu verbessern.

Besonders bei älteren Patienten können zusätzliche körperliche Beeinträchtigungen die Compliance erschweren. Die richtige Medikation, einfache Anwendung und geringe Kosten sind entscheidend. Schwierigkeiten wie Seh- oder Hörprobleme, eingeschränkte Beweglichkeit und Schluckbeschwerden müssen berücksichtigt werden.

So fördern Sie die Compliance Ihrer Patienten

Eine hohe Compliance kann durch verschiedene Maßnahmen gefördert werden. Dazu gehören eine umfassende Aufklärung des Patienten über die Erkrankung und die Therapie, eine Therapiegestaltung, die den Alltag des Patienten möglichst wenig einschränkt, sowie eine unterstützende und vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung.

Positive Einflussfaktoren auf die Therapietreue sind:

  • Verständnis der Krankheit und der Therapie
  • innerer Wille zur Therapie
  • wahrgenommene Wirksamkeit der Therapie
  • Einfachheit der Therapieumsetzung, eine geringe Anzahl täglich einzunehmender Medikamente
  • Zufriedenheit mit der Behandlung
  • kurze Krankenhausaufenthalte und geringe Rückfälle
  • Verständnis für die Notwendigkeit einer Langzeitbehandlung zur Erhaltung der Gesundheit

Zusätzliche Faktoren, die die Compliance verbessern können:

  • Sicherheit im Umgang mit Hilfsmitteln
  • Gedächtnisstützen für die Therapieumsetzung
  • Behebung von Problemen und Einbeziehung des sozialen Umfelds

Weitere Möglichkeiten, um die Mitarbeit der Patienten zu fördern

Medikationspläne verbessern die Therapietreue, insbesondere bei komplexen Behandlungsregimen. Patienten vergessen oft einen Großteil der im Patientengespräch vermittelten Informationen, daher ist ein strukturierter Medikationsplan ratsam. Dieser Plan sollte wichtige Informationen zu den Medikamenten enthalten, wie z.B. Name, Indikation, Einnahmefrequenz, Dauer der Anwendung und potenzielle Nebenwirkungen.

Eine empathische Arzt-Patient-Beziehung ist weiters entscheidend für die Therapietreue. Eine angenehme Atmosphäre und die Wertschätzung der Autonomie des Patienten können die Beziehung stärken. Es ist wichtig, die Patienten über die Vorteile der Behandlung aufzuklären und sicherzustellen, dass sie die Informationen entsprechend ihrem individuellen Bildungsstand verstehen. Grafische oder audiovisuelle Medien können hierbei hilfreich sein.

Mobile Gesundheits-Apps bieten Funktionen wie Medikamentenerinnerungen und Gesundheitsinformationen, um die Patienten-Compliance zu verbessern. Wearables wie Smartwatches überwachen den Gesundheitszustand und erinnern an Therapien. Telemedizin ermöglicht es Patienten, medizinische Versorgung digital in Anspruch zu nehmen, was besonders in abgelegenen Gebieten oder bei eingeschränkter Mobilität hilfreich ist. 

Die Patienten-Compliance ist entscheidend für den Therapieerfolg und die langfristige Gesundheit. Durch ganzheitliche Ansätze mit verschiedenen Strategien und Technologien können Gesundheitsdienstleister die Einhaltung von Therapieplänen fördern und die Versorgungsqualität verbessern. Insgesamt ist die gemeinsame Verantwortung von Arzt und Patient für die Therapietreue entscheidend.

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Autor

Britta Krachler

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